Temple of Chaos

Trailer Temple of Chaos
Flyer: Maude Hélène Vuilleumier

Interview mit der grosse tyrann im seniorweb

Foto: Leni Olafson

Aktualität

Marie Kondo wirft die Frage nach Besitz auf. Warum behalten wir Dinge? Was brauchen wir wirklich? Die KonMari-Methode hat eine Wegwerf-Welle ausgelöst. Diese produziert viel Müll. Die Besitzerin eines Second-Hand-Ladens, den Koch besuchte, klagte, seit Marie Kondo kämen viele mit vollen Tüten, die sie loswerden wollten, es würde jedoch immer weniger gekauft. der grosse tyrann sammelt die „No-Joy“-Gegenstände von Zürcher*innen ein und transfomiert diese in ein Kunstobjekt. 

Comic „Die KonMari-Methode“ — Ein lebensveränderndes Manga von Marie Kondo, rororo, Hamburg 2019, S.9

Marie Kondo

Marie Kondo ist eine erfolgreiche Aufräumexpertin aus Japan, die in den USA lebt. Seit 2019 hat sie ihre eigene Netflix-Serie „Tidying up with Marie Kondo“. Selbst in der Schweiz gibt es die sog. «Swiss Association of Professional Organizers», die mit der KonMari-Methode arbeitet. The Times Magazine ernannte Kondo zu einer der 100 „most influential people of 2015“. Kondos Mantra «Does it spark joy?» ist zu einem stehenden Ausdruck geworden. Nach der KonMari-Methode, soll der*die Aufräumende jeden Gegenstand des Haushaltes in die Hand nehmen, hochheben und sich fragen, ob er Freude versprüht. Falls nicht, wird er weggeworfen, falls schon, wird ihm ein fester Platz im Haushalt zugewiesen. 

Foto: Leni Olafson

Motivation

Vuilleumier und Koch sind beide chaotische Frauen. Meistens kommen sie damit sehr gut zurecht. Sie glauben an die Qualitäten eines Archivs, sie horten Dinge und Kuriositäten, die sie dann tatsächlich immer wieder in schlecht finanzierten Theaterproduktionen gebrauchen können. Gegenstände zeugen von gelebtem Leben. In leeren Wohnungen fühlen sie sich unwohl, es fehlt ihnen die Persönlichkeit, die Geschichte. Aufräumen und Ausmisten bedeutet möglichst wenig Raum einzunehmen, niemandem zur Last zu fallen. Man arbeitet an seiner Selbstauflösung, hinterlässt keine Spuren. Koch und Vuilleumier wollen explizit den Spuren, die verwischt werden wollen, nachgehen und ihren Wert feiern. Sie möchten die gesellschaftliche Annahme, Chaos sei gefährlich und hässlich und Ordnung schön und wünschenswert auflösen, indem ihre Chaos- Skulptur aus „No-Joy“-Objekten einen eigenen ästhetischen Wert hat.

Foto: Leni Olafson

Chaos

der grosse tyrann begibt sich ins Chaos. In der Griechischen Mythologie wird Gaia — die personifizierte „Mutter Erde“ — als erste Titanide aus dem Chaos geboren. Darum kann man argumentieren, dass Chaos in der westlichen Tradition eher als weiblich und Ordnung als männlich gelesen wird. In unserer Mythologie ist es meist ein männlicher Held, der die Ordnung der Zivilisation repräsentiert und gegen ein chaotisches Biest kämpfen muss — weiblich in den meisten Fällen (z.B. die Medusa, die Sirenen, brütende Drachenmütter, Riesinnen, Hexen, Sennentuntschi). 

Foto: Leni Olafson
Premierenaufzeichnung gefilmt von Christopher Kriese

Methodik 

der grosse tyrann tritt mit Schweizer*innen in Kontakt. Vuilleumier und Koch haben Anzeigen auf unterschiedlichen Plattformen zu geschaltet, um Objekte und Geschichten zu finden. Sie fragen nach Dingen, die die Leute loswerden wollen. Dinge, die in ihnen keine Freude mehr wecken — „things which don’t spark joy anymore“. Objekte, die die Menschen an tragische Ereignisse erinnern oder an eine Lebensphase, die sie hinter sich lassen möchten. Koch und Vuilleumier sind durch die ganze Schweiz gefahren und haben Objekte abgeholt und die Geschichten dahinter erfahren. In der Probenphase organisieren Koch und Vuilleumier das Material – verschränken eine Auswahl aus Teilen der Interviews mit eigenen Texten und ihrer Auseinandersetzung mit dem „Temple of Chaos“. In den besinnlichen Tempel bricht am Ende der Kapitalismus ein: Die Performance mündet in einer Weihnachtsmarktsituation, bei der Koch und Vuilleumier Waffeln, Punsch, Glühwein und die Objekte verkaufen.

Foto: Leni Olafson

Aufführungen

13. / 14. / 15.12.2019 im Hyperlokal, Zürich

In Kooperation mit Hyperlokal

Gefördert von der Cassinelli-Vogel-Stiftung

Foto: Leni Olafson
Foto: Leni Olafson